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ideologische Blockaden

In der BZ vom 13.9.2017 liest man das interessante Interview von Herrn Bernhard Knapstein mit dem Lobby-Vertreter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft Michael Hüther. Herr Hüther beklagt „zu viele ideologische Blockaden“ in den Köpfen deutscher linker Politiker und vieler Bürger. Nach seiner fachmännischen Meinung ist die Alterung das zentrale Problem der BRD, die Erwerbstätigkeit von Müttern sollte gesteigert werden – an den Kassen von Aldi, Lidl + Co, damit die Kinder in den Kitas ohne elterliche Bindung erzogen werden können, das Renteneintrittsalter sollte unbedingt zunächst bei 70 Jahren liegen – anschließend in Altersheimen bis zum Ende der Restlaufzeit - die durchschnittliche Jahresarbeitszeit sollte „aufgestockt“ werden, aber „die Politik“ steckt den Kopf in den Sand. Herr Hüther sieht eine „wachsende Bevölkerung“ – aha – damit sind gewiß die vielen zugereisten Fachleute gemeint, die ihre eigene Kultur mitbringen und der normalen Industrie- oder anderen Gesellschaft auf Jahre sicher nicht produktiv zur Verfügung stehen werden. Bei der Zusammenarbeit mit „Privaten“ sieht er viele Blockaden. Für die Zusammenarbeit mit „Privaten“ steht seit Jahren die „neue soziale Marktwirtschaft“ mit ihrem großen Bestand an Interessenvertretern hauptsächlich aus dem Arbeitgeberlager Gesamtmetall und dem wichtigen Versicherungs- und Bankengewerbe. Es muß überall „mehr Markt“ hineingebracht werden. Am besten wird alles privatisiert, was sich anbietet. Der „Staat“ soll sich aus den Sicherungssystemen weitgehend zurückziehen und diese Dinge wiederum dem privaten „Markt“ überlassen. Herr Hüther meint, Deutschland sei „gut aufgestellt“ für die Zukunft. Entweder hat er die aktuellen Daten zur wachsenden Armut nicht in seine Beobachtungen aufgenommen oder aber er lebt in der besseren Welt der abgehobenen Oberklasse. Müssen wir beim Thema Ungleichheit nachjustieren? – Wie lautet die radikal-neoliberale Antwort des „Experten“? – Wir haben doch schon seit 2005 eine Stabilisierung aller Verteilungsindikatoren, zudem einen Höchststand der Beschäftigung bei stabilem Anteil des Normalarbeitsverhältnisses. „Wo soll da noch Handlungsbedarf sein?“ – Noch dummdreister geht es wohl nicht. Sicherlich sind die wenigen Hartz-4-Bezieher und deren Kinder schon jetzt unter der Armutsgrenze zu Hause – und den Kassiererinnen bei Aldi und – Co. Wird es auch kaum möglich sein, neben den Ausgaben für das kümmerliche Überleben auch noch zu riestern oder bei Banken für ihre Restlaufzeit vorzusorgen, die dann im Regelfall wieder verrechnet – also abgezogen wird. „Das größte Risiko liegt darin, daß wir das verplempern, was wir uns erarbeitet haben“ – „Wir haben zurzeit die besten Aussichten“ – Der Mann merkt offensichtlich nicht, daß er marktradikale „liberale“ Meinungen einer bestimmten Gruppe sehr erfolgreich unter das Volk streut. Wenn er von „erarbeiten“ spricht – dann hat er vermutlich in seinem akademischen Leben noch keine produktive Arbeit erledigt. Sicherlich schwimmt er mit seiner INSM auf einer Fettblase, die ihn und seine Fachwelt weder hungern noch frieren läßt. Diese Leute haben ja auch nichts zu verantworten und müssen für ihre Expertenmeinungen nicht haften. – Von produktiver Arbeit sind diese Personen sehr weit entfernt. Es ist ja auch sehr viel einfacher, sich bei Maischberger und Illner an die Tische zu setzen und fachzusimpeln, Zeitungsredaktionen mit fertigen Aufsätzen zu versorgen, die eine radikale Marktwirtschaft logisch und richtig erscheinen lassen und im übrigen mit vielen Worten nichts zu sagen. Dieses Problem haben allerdings fast alle Politiker für sich gepachtet. Die Staatsräson verbietet es, manche Kritik über Reizthemen anzubringen. Manche Kritiker fallen aus dem Rahmen und träumen von Chemtrails und der Mittelerde. Einige gehören zu Reichsbürgern und erkennen nur sich und die Vergangenheit an. Wie sagen doch die Damen und Herren der INSM – Deutschland ging es noch nie so gut wie momentan – wegen Vollbeschäftigung und Waffenexportweltmeister und überhaupt – wegen Mutti aus der Uckermark. Wenn sich etwas verändern soll – so oder so – sollte sich jeder Wahlberechtigte Gedanken machen und dann in die Wahllokale gehen – sonst darf nicht gemeckert werden.

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1 Kommentare zu diesem Beitrag

Am Donnerstag, 21. September 2017 schrieb Willi Riebesehl

Jaj,ja, der Herr Hüther, bietet reichlich Angriffsfläche. Ob ihm das Bewußt ist? Hallo Herr Montzka, Ich nehme mal ein Beispiel stellvertretend heraus. "[...]die Alterung das zentrale Problem der BRD"[...] so seine Feststellung. Da drängt sich mir doch gleich die Frage auf: Seit wann kommt die Wirkung vor der Ursache? Will sagen: Da die Alterung bereits im Menschen angelegt ist, also kein "vom Himmel gefallenes" Phänomen ist, hätte es schon immer Aufgabe der Politik sein müssen, den Alters- durchschnitt des Volkes mittels geeigneter, familienfreundlicher Maßnahmen, zu regulieren. Dies war, und ist, so meine heutige Überzeugung, jedoch niemals die Absicht der Regierenden. Die Ergebnisse der Politik sprechen, auch in diesem Fall, eine eindeutige Sprache. Wer sich diesbezüglich in der Geschichte bedient, findet dort auch die Bestätigung dafür. Es gibt noch wesentlich mehr dazu zu sagen. Da aber bereits, auch zu diesem Themenbereich alles geschrieben und gesagt ist, mag jeder, der hier mitreden möchte, genau wie ich, seine "Schulaufgaben machen".

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