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Gartenträume

Puhh.....endlich fertig. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Rasen mähen von Mal zu Mal anstrengender wird. Jezt habe ich mir eine Pause - redlich verdient. Das Unkraut kann warten. Der Löwenzahn und die Brennnesseln laufen mir schließlich nicht weg. Also mache ich es mir auf meiner Gartenliege bequem, nehme den Ratgeber, "Unkraut und seine Wurzeln" zur Hand und beginne zu lesen. Plötzlich glaube ich, leise Stimmen zu hören. Angestrengt lausche ich....wer spricht da nur ??? "Wir konnten uns gar nicht schnell genug ducken, als der Rasenmährer mit seinen scharfen Messern über unsere zarten Köpfchen hinweg fuhr", flöteten die Gänseblümchen im Chor. "Doch jetzt können wir uns wieder, dank Regen und Wind, ungestört vermehren. Unsere faserigen Wurzeln sind uns allerdings keine Hilfe dabei. Selbstbewusst und eitel verkündet der grüne Löwenzahn, "an meiner langen, fleischigen Pfahlwurzel können die Menschen noch so lange zerren und stechen. MICH bringt so schnell nichts um. Ich stehe tief verwurzelt, an meinem angestammten Platz. Und ist dann aus meiner gelben Blüte eine Pusteblume geworden, sorgt der Mensch schon selbst dafür, dass sich meine Samenschirme weit verbreiten können." Kleinlaut jammert da die Vogelmiere, "ich habe so schwache Wurzeln, mich kann man ganz leicht ausreißen. Dann werde ich achtlos auf dem Boden liegen gelassen und muss jämmerlich verdursten." "Daaas", kann mir nicht passieren," lästert der aufdringliche Giersch. "Ich vermehre mich durch meine weit verzweigten Wurzelausläufer und wenn diese nicht vollständig ausgerissen werden, komme ich immer wieder". "Nun mach mal halblang", tönt es aus der Brennnesselkolonie. Hochnäsig schütteln die Brennnesseln ihre stacheligen Blätter. "WIR, sind sogar eine Heilpflanze und trotzdem haben die Menschen etwas gegen uns. Sie stecken ihre zarten Hände in dicke Handschuhe und rücken uns mit einem Spaten zu Leibe. Dabei hilft ein Sud aus unseren Blättern sogar gegen rheumatische Beschwerden." "Jetzt ist aber Ruhe dort unten", hallt eine tiefe Stimme aus dem grünen Blätterdach einer mächtigen Eiche. "Ich habe viele, viele Jahrzehnte gebraucht, um von einem zarten Eichelkeimling, zu einem großen Baum, mit kräftigen Wurzeln zu werden." "Die Menschen behaupten immer, mit ihrer Heimat fest verwurzelt zu sein. Dabei hat der Mensch doch zwei Füße und kann wählen, wohin er geht", beendet die Eiche ihren Vortrag und beginnt mit den Ästen zu schwingen. Von dem immer lauter werdenden Rauschen der Blätter geweckt, öffne ich die Augen. Das Buch über Unkräuter und seine Wurzeln liegt aufgeschlagen neben meiner Gartenliege. Ich hebe es auf und gehe über den frisch gemähten Rasen zum Haus. Mit meinen nackten Zehen streiche ich gedankenverloren über die weiß-roten Blütenköpfe der kleinen Gänseblümchen, schmunzelnd stupse ich gegen einen gelb leuchtenden Löwenzahn. Mein Blick wandert zu den hohen Brennnesseln am oberen Ende unseres Gründstücks. Dort steht eine große, ausladende Eiche. Dieser mächtige Baum ist durch seine, tief im Erdreich verlaufenden, dicken Wurzeln, für alle Zeiten fest an diesem Platz verankert. Ich schaue wieder auf meine nackten Füße hinunter und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Mit einem Baum möchte ich wahrlich nicht tauschen.

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