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Drei Tage im Januar

Es sind beliebige drei Tage im Januar, die ich mit Erich, sorry, Erixx, unterwegs war. Zu ganz verschiedenen Zeiten, immer zwischen der schönen Heidestadt Schneverdingen und Buchholz. Und immer guten Muts nach dem Motto: Das wird schon! Ich war pünktlich. Erich auch. Aber wir konnten zusammen nicht kommen – das Signal verweigerte die Querung des Heidkampsweges. Da stand er nun jenseits des südlichen Bahnübergangs und tutete schüchtern vor sich hin. Gern wären wir zu ihm gegangen, hätten ihm tröstend das blau-gelbe Metronomblech gestreichelt und ihm zugeflüstert: Das wird schon! Gib nicht auf! Als hätte Erich unsere Gedanken verstanden, holte er tief Luft und gab laute, deutliche Signale von sich, so dass auch der letzte Autofahrer wach wurde und Erich gnädig durchrollen ließ. Danke, Ihr selbstlosen Mitmenschen! Die schlappen Verspätungsminuten konnten bis Buchholz wieder aufgeholt werden, doch, da kannte Erixx nixx! Natürlich muss man dafür etwas heftiger bremsen, aber das kennen wir schon: festhalten und nicht nach unten gucken, sonst fällt einem spätestens in diesem Augenblick ein, dass man eigentlich doch schnell seekrank wird. Und die Bremsen sind laut – wenn auch nicht nach offizieller Verlautbarung – dann eben nach inoffizieller und sehr real. Bei meinen Fahrten in der 4. Kalenderwoche gab es zwei Bremsmanöver, die ohrenbetäubend waren: vor Wintermoor und vor Holm-Seppensen (Richtung Schneverdingen) , im Zugabteil wohlgemerkt, was die Anwohner hören müssen, lässt sich nur erahnen. Überhaupt ist der gute Erich eine scheppernde, laute, unbequeme Blechbüchse mit einer sehr zugigen Klimaanlage und für Menschen unter 1,80m Körpergröße unbequemen Sitzen. War sicherlich ein Schnäppchen. Ich fürchte, ich gehöre zu den pingeligen Deutschen, denen Pläne noch etwas bedeuten. Wenn Erich um 18.13 Uhr in Buchholz einrollen soll, erwarte ich ihn auch am Gleis 11 und nicht am Abstellgleis. Und wenn ich dann einsteige, obwohl „Nicht einsteigen“ am Zug steht, muss ich mit Konsequenzen rechnen, in diesem Fall mit einer immerhin freundlichen Standpauke. Ist doch Erich-Sache! Am nächsten Tag am selben Ort dieselbe Anzeige: „Nicht einsteigen“! Als gescholtener Bürger zögerte ich, betrat dann aber todesmutig mit anderen Bahnreisenden das ausgekühlte Abteil. Die Strafe traf uns alle: die Tür ließ sich nicht schließen, und das Display im Abteil wechselte zwischen „Nicht einsteigen“ und korrekter Uhrzeit munter hin und her. Nach verschiedenen Startversuchen ging es dann doch irgendwann los. Der wohl genervte Zugführer war die ganze Zeit bis Schneverdingen damit beschäftigt, das „Nicht einsteigen“ wegzudrücken, was ihm allerdings nicht gelang und er es deshalb auch versäumte, das Band mit den Stationsansagen zu bedienen oder die Ziele persönlich anzukündigen. Stoisch dreinblickende Pendler und verunsicherte Manchmalfahrer erkannten Schneverdingen selbständig trotz Dunkelheit und stiegen aus, ob aber jemand einsteigen mochte („Nicht einsteigen“!) entzieht sich meiner Kenntnis. Dies waren nur drei Tage in meinem Leben mit Erich – ich wage nicht hochzurechnen auf 30 Tage! Vielleicht bin ich zu pingelig – und typischer Deutscher, der tagtäglich seine enorme Gehirnleistung unter Beweis stellen muss - dass er als einziges Volk auf dieser Erde neben dem Frontallappen und Temporallappen und wie sie alle noch heißen, einen zusätzlichen, gleich unterm Kleinhirn, besitzt: den Jammerlappen. Das weiß ich von Herrn Hirschhausen. Und der muss es ja wissen, schließlich ist er Arzt. Ärzte und Erixxe und Politiker sagen gern in diesen Fällen: Das wird schon! Nur Mut und durchhalten! – Na denn, ich hol‘ schon mal den Wagen, Harry!

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