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Ist Lora nun weiblich oder männlich?

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Ein Partner fehlt Ja, was war Lora denn nun? Man hätte es natürlich durch eine Untersuchung einer frisch ausgerupften Feder ihres Gefieders feststellen können. Aber wozu? Es war ja egal, was für ein Geschlecht sie hatte. Sie war eben Lora und wir mochten sie so, wie sie war. Sie war inzwischen schon 25 Jahre bei uns. Sie fing an sich die Brustfedern auszurupfen, mit anderen Worten, sie machte sich nackig. Das passierte aber nur periodisch und sie war nicht ganz kahl, wie man es bei manchen Papageien beobachten kann. Das Federn ausreißen beschränkte sich zwar nur auf ihr Brustgefieder, aber manchmal sah ihre Vorderseite schon wie ein Broiler aus. Obwohl Lora anderer Meinung war und ihr Kommentar dazu klang aber nicht sehr überzeugend: „Hübsch, nicht.“ Das Federn ausreißen war ein offensichtliches Anzeichen dafür, dass ihr ein Partner fehlte. Wir konnten ihr den natürlich nicht ersetzen. Beschäftigung, Ablenkung und Zuwendung hatte sie genug, es lag also nicht an Langeweile. Man konnte auch nicht einfach einen anderen Papagei dazu setzen und sagen: nun macht mal. Es war wie bei den Menschen, sie musste sich ihren Partner aus mehreren Kandidaten aussuchen. Diese Option haben wir ihr natürlich nicht bieten können. Jetzt kam es doch heraus, im wahrsten Sinne des Wortes Eines Tages war es soweit, Lora wollte ein Ei legen. Sie wurde unruhiger und hielt sich öfter auf den Boden des Käfigs auf. Sie scharrte das saubere Zeitungspapier zu einer kleinen Mulde zusammen. Nun konnte sie es nicht mehr abstreiten, dass sie ein Weibchen war. Sie baute sich ein Nest. Wir hatten bei ihrer Namensgebung doch den richtigen Riecher gehabt. Es ging auch bald mit den Wehen los. Lora musste sich ganz schön anstrengen und stöhnte und fiepte leise. Jetzt kann ich auch die Mütter verstehen, die ein 10-Pfund-Kind zur Welt bringen. Wir unterstützten sie natürlich mit dem Vormachen eines gleichmäßigen Ein- und Ausatmens. Ja, es war für alle eine aufregende Angelegenheit. Die Geburt ihres ersten Eies war am 14. April 2002 um 11.14 Uhr. Die Länge war 33,7 Millimeter und das Geburtsgewicht betrug 11,4 Gramm. Es war ein großes Ei, größer als das einer Wachtel und schneeweiß. Der Kreißsaal war wie gesagt der Boden ihres Käfigs und der Geburtsort war Schneverdingen. Es wurde alles genau dokumentiert. Das Ei, das sie im folgendem Jahr legte, war wesentlich kleiner und verursachte ihr nicht so starke Schmerzen. Der Vorgang dauerte auch nicht so lange, es flutschte nur einfach so heraus. Nach der Geburt Das Ei war logischer Weise nicht befruchtet. Erinnert mich immer an den Witz, in dem ein Autofahrer auf der Dorfstraße einen Hahn überfährt. Er suchte den Besitzer auf und fragt, ob er den Hahn ersetzten kann. Daraufhin sagte der Bauer: „Na gut, wenn die Hühner nichts merken.“ Ja, ich weiß, der Witz ist schon uralt. Aber was würde Lora jetzt sagen, wenn wir ihr das Ei wegnahmen? Es konnte ja nicht einfach auf dem Käfigboden liegen bleiben. Würde sie beißen oder würde sie traurig sein? Nein, sie machte gar nichts und benahm sich ganz normal. Sie kletterte wieder auf ihre Sitzstange und sagte: „So!“ In unserer Sprache: das war's. Damit war die Sache für sie erledigt. Meine Frau nahm das Ei heraus und es wurde präpariert. Es wurde ausgeblasen und beschriftet. Heute liegt es noch mit Datum versehen im Wohnzimmerschrank. Nein, es stinkt nicht! Fortsetzung folgt

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