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Verblendung

Seit letzter Woche läuft die Neuverfilmung des schwedischen Kriminalromans „Verblendung“ aus der „Millennium–Trilogie“ des Autors Stieg Larsson in den deutschen Kinos. Der Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) hat gerade einen Prozess gegen den Unternehmer Wennerström wegen Verleumdung verloren, weil er die Behauptungen in seinem veröffentlichten Artikel nicht beweisen konnte. Er hat nicht nur eine empfindliche Geldstrafe zu zahlen, sondern auch seinen guten Ruf verloren. Der alternde Unternehmer Hendrik Vanger (Christopher Plummer), ein Gegenspieler Wennerströms, hat den Prozess beobachtet und engagiert Blomkvist. Dieser soll für ihn das Verschwinden seiner Nichte Harriet und den vermuteten Mord an ihr vor über 40 Jahren aufklären und damit in die tiefsten Geheimnisse des zerstrittenen Familienclans eindringen. Offiziell soll er die Memoiren Vangers schreiben. Neben einer großzügigen Bezahlung bietet er Blomkvist ferner an, die diesem fehlenden Beweise für Wennerströms kriminelle Machenschaften zu liefern. Blomkvist willigt schließlich ein. Im Laufe seiner Ermittlungen erhält er von der jungen verhaltensgestörten, aber hochintelligenten Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) Hilfe, die wegen einiger Gewaltausbrüche in der Vergangenheit und in ihrer Kindheit seit über zehn Jahren unter amtlicher Betreuung steht. Nachdem ihr Vormund einen Schlaganfall erlitten hatte, erhält sie einen neuen Vormund, der seine Machtposition zunächst gnadenlos missbraucht. Blomkvists und Salanders Ermittlungen werden von den meisten der Familienmitglieder der Vangers nicht begrüßt. Als die beiden der Auflösung des Verschwindens Harriets nahe sind, geraten sie in Gefahr, da jemand versucht, dies mit allen Mitteln zu verhindern... Bereits vor drei Jahren wurde die Reihe schon einmal (und sehr gut) verfilmt, es handelte sich dabei um eine schwedische Produktion mit relativ unbekannten Schauspielern. Wie so oft hat sich nunmehr Hollywood des Stoffes angenommen und neu verfilmt. Um es vorweg zu nehmen, der Film ist nicht schlecht und durchaus sehenswert. Aber an die schwedische Erstverfilmung aus dem Jahr reicht er nicht heran. Und wer diese kennt, hat eigentlich keinen Grund, den Gang ins Lichtspielhaus für die Neuverfilmung anzutreten, da er nichts Besseres bietet. Schauspielerisch ist er bis in die Nebenrollen gut besetzt – Daniel Craig, Stellan Skarsgard, Christopher Plummer und Robin Wright. Regie führt der renommierte und mehrfach preisgekrönte Regisseur David Fincher. Die Verfilmung kommt vielleicht gerade deswegen recht düster daher, wie die Romanvorlage und der Regisseur erwarten lassen. Es empfiehlt sich allerdings, das Buch vor dem Kinobesuch zu lesen, da der Film trotz seiner zweieinhalb Stunden Spielzeit derart gerafft wirkt, dass man einige Szenen und die Verhaltensweise einiger Personen mit dem entsprechenden Hintergrundwissen besser bzw. überhaupt verstehen wird. Fincher verzichtet in seinem Film nicht auf die stellenweise unerträgliche Härte und Grausamkeit der Romanvorlage, er setzt diese konsequent visuell um. Er schafft es dabei gekonnt, durch eine hervorragende Kameraführung, einem genialen Schnitt samt eines großartigen Tonschnitts sowie passenden Szenenbildern die Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit des Grundthemas aufzugreifen und schafft damit eine düstere Atmosphäre. Dies ist jedoch nicht jedermanns Sache. Die Vorstellung, die ich besuchte, wurde von mehreren Zuschauern bereits vorzeitig verlassen. Nahezu ironisch mutet die Besetzung der männlichen Hauptrolle an. Daniel Craig spielt den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der alles andere als ein knallharter Mann ist. Der derzeitige James-Bond-Darsteller überzeugt insoweit durchaus in seiner Rolle, allerdings kommen bereits beim Intro des Films erste Erinnerungen an sein Alter Ego auf, da der Vorspann denen der Bond-Filme irgendwie verdächtig ähnelt. Es irritiert ferner, dass die meisten Nahaufnahmen von Schriftstücken in schwedisch gehalten sind, was auch erwartet werden kann, da der Film bekanntermaßen hauptsächlich in Schweden spielt. Von Zeit zu Zeit schleichen sich allerdings amerikanische Versionen ein (wie etwa die Bibel in Blomkvists Unterkunft oder der von Lisbeth vorgenommene Schriftzug der Tätowierung). Auch ist die Auflösung des Filmes im Vergleich zur Buchvorlage leicht angewandelt. Der Film wurde für die Golden Globes 2012 in der Kategorie „Beste Filmmusik“ und „Beste Hauptdarstellerin- Drama“ (Rooney Mara) nominiert, ging gestern Nacht aber leer aus.

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