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Großdeutsche Restreichsbürger

Das deutsche Reich hat sich in der Vergangenheit wirklich nicht mit sehr viel Ruhm bekleckert. Einige der Auseinandersetzungen – 1870/71 – 1914/18 und das letzte Abenteuer 1939/45 - waren überhaupt nicht erfolgreich – im Sinne der jeweiligen Führungspersönlichkeiten. Nachdem auf dem verbliebenen Gebiet des Großdeutschen Reichs kaum ein Leben möglich war, bewarb sich Herr Adenauer bei den Siegern des letzen Waffengangs um die freie Stelle als großer und erster Kanzler des Reststaates. Er bekam die Stelle und scharte gar viele Altgediente und braune Leute um sich herum, denn es wurden ja Fachleute gebraucht. Nach einem Beschluß der Siegermächte bekam Österreich einen neutralen Status. Ein ebensolcher Vertrag wurde von Herrn Adenauer und seinen Vertrauten abgelehnt. Die Westmark wurde ohne Abstimmung mit dem östlichen Teil des deutschen Gebietes im Westen eingeführt. Damit war die Teilung perfekt. Die Grenzen wurden mit typisch deutscher Perfektion befestigt, und der Westteil Berlins wurde eingemauert. Es wurde ein gesamtdeutsches Ministerium eingerichtet, dem aber offensichtlich wenig an einer wirklichen Verständigung oder Annäherung lag. Der schwarze Kanal der Ostzone fand sein Gegenstück beim ZDF und Gerhard Löwenthal. Beide hetzten, was das Zeug hergab. Die Ostberliner Zentralkommitees unter Ulbricht und Honecker lebten in einer parallelen Gesellschaft in Wandlitz und das sehr feudal. Herr Strauß gab zu bedenken „jedem solle der Arm abfallen, der je wieder ein Gewehr anfaßt.“ Die Folge davon war allerdings die Modernisierung des Grundgesetzes und eine massive Aufrüstung. Schließlich rechnete „der Westen“ ja täglich damit, daß der russische Bär bei Lauenburg den Westen überfallen würde. Der NATO-Doppelbeschluß wurde durchgezogen, obwohl völlig unsinnig. Die Spirale drehte sich, bis sich die Verhältnisse in der Sowjetunion mit Herrn Gorbatschow radikal entspannten. Der Warschauer Pakt wurde aufgelöst, die diversen osteuropäischen Staaten wurden in die Freiheit entlassen und orientierten sich nach Westen. Statt sich mit dem Codewort „Friedensvertrag“ vertraut zu machen, fand es Herr Genscher taktisch angebrachter, den Vertrag mit 2+4 zu bezeichnen. Das hatte den Grund, daß die Verbindlichkeiten gegenüber Griechenland wegen dieser Spitzfindigkeit nicht ausgeglichen werden mußten, sondern erst bei Abschluß eines „Friedensvertrages“. Und nun kommen aus allen möglichen Ecken und Löchern des deutschen Landes die Restbestände der Bürger des Großdeutschen Reiches und wollen ihren Kaiser Wilhelm wiederhaben. Was gibt ihnen das Recht, andere Menschen abzuschießen oder sich nicht mit den Realitäten abzufinden? Der 2 + 4 Vertrag ist der langersehnte Friedensvertrag – alles andere ist eine typisch deutsche Haarspalterei. Wenn man sich die Weisheiten des Reichskanzlers im Exil und in Bereitschaft zu Gemüte führt, kann man sich nur an den Kopf fassen. Und solche Leute sollen eventuell die höchsten Amtsgeschäfte leiten? Gute Nacht, Großdeutschland!

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