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Gott und die Einfalt

In der BZ-Ausgabe vom 17. Mai wird über Gott und die von ihm gewollte Vielfalt berichtet. Daß eine Religion ein wissenschaftliches Sachgebiet sein soll, erscheint mir doch reichlich fragwürdig. Es heißt doch in der umfangreichen Sprüchesammlung: geglaubt wird in der Kirche, wer Erscheinungen hat, soll zum Psychiater gehen und vor allem - Glauben heißt Nichtwissen. Wenn eine Religionswissenschaftlerin und Professorin davon ausgeht, daß der liebe Gott tatsächlich existiert – egal wo – dann ist nicht nur sie des festen Glaubens, daß die Schöpfung so stattgefunden hat, wie allgemein den kleinen Kindern beigebracht, daß der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wirklich im Garten Eden seine süßen Früchte trug, manche Menschen mit gutem Sozialverhalten und Verstand versorgt wurden und andere eben weniger überschüttet wurden. Kürzlich war Herr Heiner Geißler bei Markus Lanz zu Gast und sagte dort etwas reichlich Ketzerisches. Er gab zu bedenken, daß es keinen einzigen Beweis für die Existenz des sogenannten lieben Gottes gibt und auch keinen Gegenbeweis. Gespräche über Religionen lassen sich grundsätzlich nicht versachlichen, wenn das auch sehr wünschenswert wäre. Nicht umsonst sind Unterhaltungen über Religion oder Politik in den Grundregeln für Funkamateure als verpönt erkannt worden. Wie kann ein Vortrag in Glaubensfragen als schlüssig oder wahr in den Raum gestellt werden, wenn hier die „Wissenschaft“ absolut nichts zu suchen hat? Toleranz soll die einzig richtige Verhaltensform sein – nun denn – ist die Duldsamkeit eine Einbahnstraße? Und gibt es mehr oder weniger klare Grenzen der Toleranz? Müssen in einer zivilisierten Gesellschaft die Regeln der muslimischen Scharia erduldet werden? Und stehen die rabiaten Regeln über Steinigungen oder Köpfeabhacken über den Regeln der Zivilgesellschaft? Ist der vom türkischen Führer angestrebte Islam eine erstrebenswerte Ideologie, in der grundsätzlich alle abweichenden Meinungen dem Terrorismus nahe stehen? Ausgehend von „gleichwertigen“ Religionen, deren Pluralität „gottgewollt“ ist, sei die Toleranz ebenfalls gottgewollt. Das kann man eben glauben oder auch nicht. Wenn eine „Religionswissenschaftlerin“ alles über Religion weiß, müßte sie auch schlüssige und reale Erklärungen haben dafür, warum der liebe Gott viele der bedauernswerten Zuwanderer das europäische gelobte Land nicht erreichen, sondern jämmerlich im Mittelmeer unter den Augen der EU-Grenzschützer ersaufen müssen. Gott und sein Kollege Allah wird sicher eine logische und glaubhafte Rechtfertigung für diese unterlassene Hilfeleistung anbieten. Es sei denn – es gibt keinen der beiden Herren. Denn andernfalls würden sie ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Und da bekommt die Überschrift in der BZ einen ganz anderen Geschmack: Gott hat die Vielfalt gewollt. Ich vermute mal, daß sich Gott schon seit einiger Zeit aus dem Weltgeschehen zurückgezogen hat, weil sich „die Kronen der Erschöpfung“ schon seit langem anderen Göttern zugewandt haben, die da heißen Profit, Egoismus, Militär und nicht zuletzt brutale Gewalt gegen alles, was eben auffällt. Man muß sich auch keine Gedanken über Religionen machen. Solange jede einen Alleinvertretungsanspruch stellt, kann sich nichts bessern, und da hilft auch keine gutgemeinte Toleranz.

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