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Nachtsafari! Nächtliche Fußmarsch durch den Kakamega - Regenwald.

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Von Massai Mara Reservat fahren wir mit dem Geländewagen zum Kakamega Forst National Reserve. Der Kakamega ist einer der letzten Regenwälder von Kenya, er war mal 240000 ha groß, jetzt nur noch 23000 ha. Er besitzt eine Tier- und Pflanzenwelt von außergewöhnlicher Seltenheit. 350 Baum- und Schmetterlingsarten, 300 Vogelarten und 27 verschiedene Schlangenarten, u.v.a. Tierarten. Gegen Mittag erreichen wir das Reservat, die Wege sind schwierig zu befahren, sie bestehen aus Schlamm und Wasserlöcher und der Urwald hat sich Teile vom Weg zurückgeholt, durch die Feuchtigkeit kann man die Pflanzen fast wachsen sehen. Sobald wir die Schatten des Urwald verlassen haben, prallt die Sonne so erbarmungslos auf uns nieder, das der Schweiß wie kleine Bäuche über mein Gesicht rinnt. Als wir im Camp ankommen sind, werden uns vom Camp-Leiter erst einmal unsere urigen Hütten zu gewiesen. Ich lege mich erst einmal aufs Bett und ruhe mich aus, denn eine anstrengende Nacht steht uns noch bevor. Nach dem Dinner wollen wir, einige Unerschrockene, mit zwei bewaffnete Ranger eine Nachtsafari zu Fuß durch den Dschungel machen. Der Tag mit seiner Hitze vergeht langsam. Gegen 18,30 Uhr abends beginnt fahles Zwischenlicht, die Bäume nehmen gespenstische Formen an, und die Vögel suchen ihre Schlafplätze auf. 6-8 Meter hinter der Hütte fließt ein Fluss rauschend wie ein Band aus flüssigen Teer dahin, und dahinter knistert der Urwald. Die fahlen Farben der Dämmerung verlöschen, jetzt herrscht undurchdringliche Finsternis, und dann steigt hinter dem Dschungel allmählich die silberne Scheibe des Vollmondes auf. Sein milchiger Schein tanzt durch die Bäume und über den Fluss und färbt den flimmernden Sternenhimmel gelb und kalkig weiß. Nach unseren Dinner am Lagerfeuer marschieren wir los. Nun muss ich alle meine Sinne anstrengen und wach halten, denn die Dunkelheit der Urwald - Nacht brechen urplötzlich von allen Seiten herein. Die erste Strecke des Weges führt durch lichten Buschwald und ist schwierig zu gehen. Schon nach kurzer Zeit nimmt uns undurchdringlicher Dschungel auf. Jetzt herrscht tiefste nächtliche Urwald-Stunde. Der Wind bläst durch die Bäume, er flötet Weisen wie auf einer Okarina. (Hosensackinstrument) Die Blätter und Zweige rascheln, zuweilen hören wir in den Bäumen noch einige Vögel zwitschern. Kein Himmel ist zu sehen, der Widerschein des Mondlichtes dringt nur langsam zu uns durch, ab und zu fallen Äste oder Früchte auf uns herab. Auf einmal zerreißt eine entsetzlicher Schrei die Stille. Ein schwarzer Klumpen, der regungslos am Stamm eines Urwaldriesen gehangen hatte, löst sich wie eine Frucht ab und entfaltet sich langsam zu einem seltsamen Wesen. Bedächtig richtet er sich auf und reibt sich die Augen wie ein schlaftrunkener Mensch. Es ist ein Potto. (Halbaffe) Er lebt von Früchten, Insekten und Vögel. Die Schatten der Bäume und Büsche nehmen im Mondlicht groteske und geisterhafte Formen an, unser Potto schleicht sich davon. Er verlässt den einen Baum und turnt zum nächsten, bis er verschwunden ist. Vor uns raschelt es, wir heben die Taschenlampen und entdecken ein Waldschwein. Es ist etwas geblendet, bleibt 2 Sekunden stehen, und ist dann mit einem Satz verschwunden. Wir gehen weiter, das Laub, in dem unsere Füße bis zu den Knöcheln versinken, ist in den unteren Lagen vermodert, es wird von großen Käfern bevölkert, die wir ungewollt zertreten. Die Zikaden singen ununterbrochen, der Himmel ist zuweilen wie Samt und manchmal von flackerndem Sternenschein erfüllt. Große Frösche blasen sich auf und brüllen wie die Ochsen. Fledermäuse sausen über unsere Köpfe, Käuze schreien gellend, und unten am Fluss hören wir die Flusspferde schnaufen. Die Geräusche der zahlreichen Nachttiere, die auf Nahrungssuche ausziehen und oft selbst zur Nahrung werden, laufen an uns vorbei. Treiber -ameisen laufen über unseren Weg, sie töten alles was sie überwältigen können. Ganz in der Nähe hören wir den Todesschrei einer Antilope, die wahrscheinlich von einen Beutegreifer erlegt worden ist. Oben in den Bäumen hören wir das knacken von Ästen, das Wimmern eines Äffchens, den Flügelschlag irgendeines unbekannten Nachtvogels. Plötzlich hören wir das Knurren eines Raubtieres, wahrscheinlich ein Leopard. Unsere Ranger nehmen ihre Gewehre von den Schultern und leuchten mit ihren starken Taschenlampen in einem Busch. Unsere Augen folgen den Lichtschein und erkennen die Pfoten und den Kopf eines Leoparden. Die Ranger richten die Gewehre auf den Leoparden, doch in der nächsten Sekunde ist er verschwunden. Wir waren jetzt 2,5 Stunden unterwegs, und sind nun froh als wir das Camp wieder erreicht haben. Trotzdem war es atemberaubend, so etwas muss man einmal erlebt haben, nachts zu Fuß durch den Dschungel, mit den Schatten der Tiere und die Geräusche der Nacht. Hier ist echter Dschungel, kein Spiel-Dschungel wie von RTL. Ich habe runde Füße und bin froh, als ich diese im Bett ausruhen kann. Jetzt schnell schlafen, denke ich, denn um 6,00 Uhr ist die Nacht zu Ende, dann sind wir mit dem Auto wieder auf Frühpirsch.

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