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Leben im Handschuh

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Leben im Handschuh So ein Igel ist ein Hit! Mancher sagt: „Igittigitt! An den Stacheln mit den Spitzen kann er einen schon mal ritzen.“ Möglichst man ihm gar nichts tue, lässt am besten ihn in Ruhe. Tritt man aus Versehen drauf, wölbt sein Stachelkleid sich auf. Rollt zur Kugel sich und blockt, scheint von außen wie verstockt. Erst wenn die Gefahr vorüber dehnt und öffnet er sich wieder. Trippelnd läuft auf kurzen Beinen, Stachelschild hilft diesem Kleinen. Spitzes Schnäuzchen, stachlich´ Rücken, sich in ferne Ecken drücken. Wer wird sich vor ihm erschrecken, trifft er diesen kleinen Recken? Selten sieht man ihn einmal, und dann hat man seine Wahl. Neulich ging ich in den Garten, suchte, fand auch gleich den Spaten, der da an dem Zaune lehnte, wie ich vorher ja schon wähnte. In dem Eckstück voller Blätter, hingeweht von Wind und Wetter, kam vom Laube was gekrochen, hat die Blätterschicht durchbrochen. Schaute hin ganz fasziniert, was da jetzt wohl gleich passiert. Gelblich´ Fingerspitzen, rastend, langsam, vorsichtig, vor tastend. Dann die Hand in ganzer Länge aus dem Laube sich vor dränge. Plötzlich grauste es mich sehr: kommt denn da vielleicht noch mehr? Nein, die Hand blieb ohne Arm, abgelöst, gelb, leblos, lahm. Vorwärts sich die Hand nun schob und die Finger gar anhob. Mich erfasste jetzt ein Grauen, konnte gar nicht mehr wegschauen. Wich zurück ein´n ganzen Schritt. Doch die Hand kam mit mir mit. Musste meinen Mut nun fassen, durfte mich nicht gehen lassen. Nahm den Spaten mit viel Schneid mich zu schützen gegen Leid. Hab den Spaten aufgestemmt und den Vormarsch so gehemmt. Dann den Spaten rangeschoben und das Blech leicht gehoben. Drunter sah ich Beinchen hängen, schienen weiter fort zu drängen. Noch ein pelzig´ Unterbau machte mich dann endlich schlau. In des Handschuhs Mittelstück barg ein Igel sich zum Glück. Warm und sicher sich gefühlt und sich tief hineingewühlt. Fiel ihm schwer da raus zu kommen. Hat den Handschuh mitgenommen, als die Wanderung begann. So marschiert ein Igelmann. Vorsichtig den Handschuh heben und dem Igel Freiraum geben. Als er sich befreit so regte, er sich schnellstens fortbewegte. Mit dem Handschuh in der Hand in dem Garten ich da stand. Sah ihm nach, als er verschwand. War erleichtert, wie ich fand. Gero Müller, 7.2.17

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