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Freunde kann man sich aussuchen ...

In der BZ vom 8.2.2017 klingen völlig neue und unbekannte Töne an. – Herr Gauck läßt nur mühsam eine Kritik an unserem großen Wertebruder USA – vertreten durch Donald Trump – durchblicken. Was ist denn nur geschehen, daß sich eine solche Sinneswandlung einstellen kann? Uns wird zwar immer wieder von einzelnen Politikern versichert, in der BRD müsse keiner hungern oder gar erfrieren, und wir sind Exportweltmeister, weil die schwarzen Nullen sehr positiv bewertet werden. Trotz dieser „festen Überzeugungen“ und immer wieder wiederholten rhetorischen Meisterleistungen scheinen sich doch immer mehr Bürger zu sorgen und zeigen sich zum Teil sehr unzufrieden mit ihrer Situation. Manche Mitbürger sind ja auch der Meinung, man könne auch ohne Geld sehr glücklich sein – nun denn – das ist zwar eine Meinung, jedoch eine sehr bedenkliche. Das Leben unter den Hamburger Brücken mag ja im Sommer für kurze Reportagen und Erlebnistage ganz abwechslungsreich sein, aber im Winter, wenn sämtliche Glieder sich versteifen und abfrieren, ist es spätestens dann mit „der Würde des Menschen“ einfach vorbei. Hier müßte also das Grundgesetz angepaßt werden. Dieser oder ein ähnlicher Zustand muß allerdings nicht nur hier in Mitteleuropa festgestellt werden, sondern kommt ganz konkret überall auf der Welt vor. Herr Schröder gab mit seinen Mitdenkern Clement und Müntefering das Motto der Minibeschäftigung aus und damit den Weg in die massenweise Verarmung ganzer Familien. Vollbeschäftigung durch Minijobs – das wurde von vielen, die nicht davon betroffen waren, sehr gepriesen. Durch die EU-Kommission wurden die günstigen Glühlampen endgültig herunter- und weggeregelt, der Krümmungsgrad von Gurken vorgeschrieben, die Saugleistung von Staubsaugern vorgeschrieben, der Betrieb von Kaffeemaschinen geregelt und das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine ohne jegliche Rücksicht auf die vitalen Interessen Rußlands zu berücksichtigen. Viele europäische Bürger werden unzufriedener, weil ihre berechtigten Interessen nicht mehr wahrgenommen werden. – Nun hat sich das überaus christliche US-Amerika dazu entschlossen, sich einen neuen, völlig unbeleckten, dafür aber sehr konsequenten Präsidenten zuzulegen. Dieser Mann wurde und wird von vielen Politkern eindeutig zugeordnet, weil er offensichtlich mit seinen privaten Ansichten einfach nicht hinterm Berg hält. Ob und wie zurechnungsfähig er ist oder nicht, wird sich noch herausstellen. Mir geben allerdings die vielen rüstungsorientierten Vereinigungen bis hin zur „Atlantikbrücke“ doch einige Rätsel auf. In der Sendung der „Anstalt“ vom 29.4.2014 – inzwischen zensiert und gelöscht – wird auf viele Querverbindungen verwiesen. Die „transatlantischen“ Verbindungen wurden bisher verbissen verteidigt und als alternativlos hingestellt – wegen der Wertegemeinschaft. Nun wurden diese Werte durch Herrn Trump etwas verändert. Herr Gauck rät dazu, sich nach berechenbareren Partnern umzusehen – das wurde ja auch mal Zeit, daß einer unserer Wertebrüder ganz sachlich kritisiert und und nach Alternativen gesucht wird. Ob dazu zwangsläufig die Erhöhung der kostspieligen Waffenproduktion gehören muß, ist doch sehr eine Milchmädchenrechnung. Schließlich steckt die Welt, die EU und fast jede Familie in handfesten Schwierigkeiten, und allein darauf sollte sich konzentriert werden, statt den Völkern mit Schlagwörtern wie Sicherheit und Terrorbekämpfung die Gehirne zu blockieren.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag

Am Donnerstag, 09. Februar 2017 schrieb Q

Ich kann nicht immer unterscheiden, wenn Sie etwas sarkatisch meinen oder nicht. Hier ist wieder eine lange Liste der vielen Themen, die echte Probleme sind, genannt oder gestriffen worden: Terrorbekämpfung, Hartz4 und Minijobs, Ukrainekriese, Verfilzung der Mächtigen, Waffen- und Rüstungsexporte, Medien uvm. Ich möchte nur anmerken, dass die Wirksamkeit Ihrer Artikel bestimmt höher wären, wenn Sie Sich auf einzelne Themen konzentrieren würden. Natürlich hängt alles mit allem zusammen, aber ein Ziel sollte es doch sein, dass die Kritik am Bestehenden verständlich darzulegen, um Menschen zu überzeugen. Mit so einem großen Bogen erreichen Sie nur Menschen, die ohnehin alle diese Themen kennen und ähnliche Ansichten haben.

Am Donnerstag, 09. Februar 2017 schrieb Winfried Montzka

So hat nun mal jeder der beteiligten Autoren auf diesem Kanal seine sehr persönlichen Eigenarten. Im Gegensatz zu den schweigsamen Mehrheiten in der unteren Schicht der Bevölkerungen sind andere Leute immer noch der Meinung, es müßte dies und das verändert oder verbessert werden. Eine von vielen Möglichkeiten wäre eine tabellarische Auflistung der Punkte, die jeder für sich ein neues Thema abhandeln könnten. Die Frage ist dann allerdings, wen man damit erreicht und ob mit einem Beitrag auch nur ein ganz klein wenig verändert werden könnte. Ins Grüne Blatt oder die Parallelausgaben werden sicher nur die Beiträge übernommen, die hetzfrei und einigermaßen vernünftig erscheinen. Einige unserer Mitautoren haben dann die Eigenart, seitenweise Dinge vom KLOPP-Verlag zu kopieren und eventuell als Eigenleistung darzustellen. Andere schweben hoch über dem Boden und sind unangreifbar. Bedenlich wird es allerdings dann, wenn Postfächer mit irgendwelchen verseuchten Links aus der äußersten rechten Ecke - der reichsdeutschen - vollgestopft werden. Viele Themen müßten eigentlich angesprochen werden - nur die Zeit ist knapp dafür, sich mit jedem Thema zu beschäftigen und andere - mindestens ebenso interessante - zur Seite und auf die ganz lange Bank zu schieben. Hauptsache, man regt seine Mitbürger zum Mit- oder Nachdenken an, damit sich doch irgenwann irgendetwas ändert. Man kann sich natürlich auch bewaffnen, sein eigenes Staatsgebiet abstecken und in den Grenzen von 1937 träumen. Man kann sich auch alternativ hinter einer Hecke verstecken und mit seinem Pseudonym auf die Gemeinschaft zielen. Die Meinungen sind einfach zu verschieden, als daß man überhaupt gleiche Meinungen finden kann.

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