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La Gomera! Lorbeerwildnis, Pfeifsprache und märchenhafte Landschaften.

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La Gomera! Lorbeerwildnis, Pfeifsprache und märchenhafte Landschaften. Als wir auf El Hierro waren hatten wir uns überlegt, das wir eigentlich auch noch nach La Gomera fahren könnten. Und so gingen wir 2 Tage später in El Hierros Hafen Puerto de la Estaca an Bord eines kleinen Motorschiffes, das uns binnen fünf Stunden in die Hauptstadt San Sebastian de la Gomera bringen sollte. Nur mit wenigen Mitreisenden hatten wir den Dampfer zu teilen. Während die meisten Mitreisenden unter Deck gingen, blieben wir auf Deck, genossen den strahlenden blauen Himmel und die leichte Brise, außerdem wollten wir auch Abschied nehmen von der unvergessenen Insel El Hierro. Im Windschatten der Insel war sehr schnell der nördlichste Punkt von Hierro erreicht. Kaum aber war dieser passiert, geriet unser Schiff in einem steifen Passat und sich kreuzenden Meeresströmungen ganz ordentlich in Bedrängnis. Machtvoll, langsam anschwellend, rollten haushohe Wellen gegen das Schiff und ließen es in der Art einer Kirmesschaukel im Rhythmus dieses weiten Meeres auf und ab tanzen. Während einigen Mitreisenden übel war und über die Reling hingen, waren wir froh, dass wir rechtzeitig unsere Reisetabletten genommen hatten. Krampfhaft hielten wir uns an der Reling fest, und suchten zeitweise einige Schritte rückwärts in Deckung gehend, Schutz vor der sprühenden salzigen Gischt der aufgepeitschten See. Schließlich tauchten an der der Backbordseite die Umrisse von La Gomera auf. Sobald der Südgipfel der Insel erreicht war und wir im Lee der Inselberge entlang fuhren, beruhigte sich das Meer, jetzt wurde uns wieder warm. Mit einem Durchmesser von 20 km steigt die fast kreisrunde Insel mit schroffen Steilküsten aus den Fluten des Atlantik auf. In einer Höhe von 800 bis 1000 m wird das Relief etwas sanfter, ohne dass es aber zu einem Hochflächencharakter kommt. Unser Schiff hat jetzt die Hafenmole von San Sebastian erreicht. Die Stadt liegt am Fuße steil abfallender Felsen in einer geschützten Bucht am Ende des weit auslaufenden Barranco de la Villa (Flussdelta). San Sebastian de la Gomera hat den Charakter einer ländlichen Kleinstadtidylle. Lebhaftes Treiben entsteht nur dann, wenn die regelmäßigen Fähren von Los Christianos (Teneriffa) einlaufen und die Hafenmole von Menschen und Fahrzeugen überquellen. Meist sind es nur Tagestouristen, die von Los Christianos mal eben herüberkommen und ein Ausflugsprogramm quer durch die Insel absolvieren. Nachdem wir unseren Leihwagen hatten, fuhren wir nach Valle Gran Rey, wo unser Hotel auf uns wartete, das wir schon von Hierro reserviert hatten. Inmitten schöner Natur liegt dieses ruhige und dennoch nicht einsame Hotel Gran Rey. Auf der Dachterrasse liegt ein schöner Pool, von der wir einen einmaligen Panoramablick über den Atlantik haben, auch unser Zimmer hat Meerblick. Das Hotel ist nur 40 m von einem Sandstrand entfernt. Wir haben HP gebucht, da wir mit dem Wagen die Insel ausgiebig durchforschen möchten. Auf unsere Tour durch die Insel kommen wir nach El Cedro, hier ist ein Urwald im wahrsten Sinne des Wortes, eine Lorbeerwildnis, die an der Nordostseite Gomeras in der Nebelstufe des Monte del Cedro wuchert. Der Wald besteht aus Erikabäumen und mehrenden Lorbeerarten mit über 100- jährigen Bäumen, es ist das schönste Beispiel dieser Art auf der Welt. Um schnelle Nachrichten zu überbringen bedienen sich die Gomeros einer eigentümliche Pfeifsprache, die man außer auf diese Insel nirgendwo sonst auf der Erde begegnet. Man wird sagen, fast jeder hat ein Handy, aber nicht überall hat man ein Netz und den Akku kann man hier oben auch nicht aufladen. Aber mit diesen Pfeiftönen kann man eine Nachricht quer über die Schluchten hinweg über die ganze Insel verbreiten. Wir stellen das Auto ab und wandern durch die vielfältige Flora und Fauna von La Gomera. Auch der als heilig geltende Drachenbaum bei Imada sollte man sich anschauen. Der einzigartige Nationalpark Garajonay gehört zum UNESCO Weltnaturerbe und ist einer der ältesten Regenwälder der Welt. Neben der Insel La Palma hat Gomera das reichste natürliche Wasservorkommen des Archipels. So entdecken wir bei unseren Wanderungen immer wieder Überraschendes, wie zum Beispiel, viele erfrischende trinkbare Quellen und ständig fließende Bäche in einer unberührten Natur, eines der letzten Reservate für Pflanzen und Tiere, aber auch für Menschen als Wanderer und Naturfreunde. Wer nach Teneriffa fliegt, sollte auf jeden Fall Gomera besuchen!

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