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Der Läufer

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ADer Läufer Beim Gehen man doch manchmal lauscht: Wer kommt von hinten angerauscht? Ein Läufer rennt auf meiner Spur. Ich kenn´ inzwischen seine Tour. Ob Kälte, Regen oder Schnee, beim Laufen ich ihn meistens seh´ . Ich selber gehe nur spazieren, dabei kann mir nicht viel passieren. Seh´ ich dabei den Läufer nun, denk´ ich: „Der hat ganz schön zu tun.“ Bei Schnee hab ich meist Spikes am Schuh, damit ich nicht so rutschen tu. Der Läufer jedoch trabt ganz frei, als wenn der Boden trocken sei. Müh´ ich bei Schnee und Eis mich sehr, rennt er ganz leicht, als wär´s nicht schwer. Da werd´ ich sauer, dass er´s kann. Was bleibt für mich, dem alten Man? Ich steig´re heftig meinen Schritt, halt´ nicht mit seinem Tempo mit. Ich seh´ ihn in der Ferne schwinden, mich selber aber tüchtig schinden. Zu fragen hab´ ich angefangen: Wozu bin ich so rangegangen? Sollt´ es nicht Freude mir bereiten und mich beim Wintereinbruch leiten? „Du, Alter,“ sagt da meine Frau, „der Mensch eher nach vorne schau. Bedenke, welchen Weg wir gehen und heile dabei überstehen. Komm´n wir zu Hause sicher an, dann freust du dich, wie jedermann. Bist selber früher auch gerannt. Die Lage ist dir doch bekannt. Lass junge Leute ruhig laufen. Was willst du dich denn dafür raufen?“ Da hat sie recht, die gute Haut, die vorwurfsvoll mich noch anschaut. Ich will mich länger nicht verdrießen, sondern die Zeit nur recht genießen. Der Winter geht auch mal zu Ende und dann bin ich auch mehr behände. Gero Müller, 23.1.16

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