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Elphi - wir waren dabei!

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Heute erhielt ich einen Dankesbrief von meiner Großmutter aus Schneverdingen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Mein liebster Enkel, ich muss Dich einmal umarmen und Dir Danke sagen, dass Du mir ermöglicht hast, dieses wunderbare Ereignis des ersten Konzerts in der Elphi miterleben zu dürfen. Es war einfach phantastisch, dieser Klang in diesem wundervollen hohen Raum ist für mich einfach unbeschreiblich. Der große Saal von Elphi ergibt eine unglaubliche Harmonie. Deshalb sollte die Elphi auch einfach „Elbharmonie“ heißen. Das Eröffnungskonzert begann nicht mit großen Paukenschlägen, sondern der Dirigent Thomas Hengelbrock hatte sich ganz was besonderes ausgedacht. Ganz oben in der Galerie begann eine einzelne Panflöte ihre perlenden Töne in das große Rund zu streuen. Sie flossen klar und zart in die atemlose Stille und es war, als würde der Gott Pan selbst dieses Konzert eröffnen. Aber auch die weiteren mit viel Orchester ausgelegten klassischen Stücke von der Renaissance bis in unsere Zeit waren ein absolutes Klangerlebnis. Man hörte die einzelnen Instrumente der Streicher, Bläser und Trommler als würden diese direkt neben einem stehen. Besonders die kleinen Soli der Violinen, Bratschen und Celli, der Jagdhörner, Trompeten und verschiedenen Flöten oder auch Pauke und Becken war sehr gut zu erkennen und zu genießen. Wenn der jubilierende doch zarte Klang einer Querflöte sich emporschwang, dann konnte man die Augen schließen und man erlebte wie sich an einem Frühlingsmorgen eine Feldlerche jubilierend in den Himmel schwingt. Dann kamen die Klangkonstrukte von Dutilleux. Sehr schwer für die Musiker zu spielen und auch der Dirigent schwitzte so, dass ihm überall im Gesicht die Haare rumklebten. Aber es war auch wirklich beeindruckend. Manchmal nur ein Trompetenstoß, ein Anreißen von Saiten der Streicher und immer wieder drohende Paukenschläge. Mir kam es vor, als ob mit den hartenTönen plötzlich Außerirdische in ihren Raumanzügen emporschwangen, im Klangreflektor einsickerten und jeden Augenblick mit diesem an der Decke hängenden Raumschiff in unerreichbare Sphären verschwinden würden. In der Pause durfte dann geklatscht werden. Natürlich brausender Beifall und der Dirigent eilte unter die Dusche. Wir Nichtprivilegierten haben uns dann die Promis angesehen. Waren diesmal echte Promis so wie der Bundespräsident, die Merkel und unser Innenminister. Die B-Promis gab es auch, aber C oder XYZ habe ich nicht entdecken können. Dann kam der zweite Durchgang. Daraus ragten insbesondere diese Uraufführung von Herrn Rihm und der letzte Beitrag heraus. Dieser moderne Komponist Rihm hat eine gute Mixtur aus alten klassischen und ganz neuen Musikelementen komponiert. Dabei ist alles ziemlich einfach, ja sogar ein bisschen rustikal. Dennoch strahlt das Werk eine unglaubliche Einheit aus, so dass es manchmal wie das Heben und Sinken von Meereswellen klingt. Jedenfalls kann man sich als Zuhörer schlicht in diesem Werk verlieren und wenn der letzte Ton verklingt, fragt man sich, oh Gott, wo war ich. Der letzte Teil des Konzerts war dann wieder eher etwas zum Mitsingen. Es kamen auch zwei Damen und zwei Herren als Solisten und ein großer Chor zum Einsatz. Es ging nämlich um Beethovens Neunte in d-Moll (opus 125 ) auch für jeden bekannt als „ Freude schöner Götterfunken… „. Da haben natürlich alle enorm los gelegt, der Text ist nun ja auch bekannt und jeder Chor auf dieser Welt hat dies schon einmal gesungen. Aber es harmonierte alles recht gut und selbst die Leute, die leicht entschlummert waren –die gibt es in jedem Konzert – wachten natürlich auf und somit gab es auch einen donnernden Applaus, Standing Ovations usw. Ja, es war grandios. Ich möchte Dir mein liebster Enkel noch einmal ganz herzlich dafür danken, dass Du mir den Tipp gegeben hast, dass dieses Konzert auf NDR 3 übertragen wird. Selbst durch den Fernseher klangen alle Töne phantastisch. Ich hoffe nun, dass der Kulturverein in Schneverdingen bald eine Busreise zu einem Konzert in die Elphi anbietet. Aber erst einmal gehe ich am 20.Januar in den „De Theeshof“ zu einer Lesung unserer Amateurpoeten aus dem Kulturverein. Wird bestimmt recht nett in dieser tollen Lokation. Ich werde Dir dann davon berichten. Erst einmal ganz liebe Grüße Und eine feste Umarmung, Deine Dich liebende Großmutter.

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1 Kommentare zu diesem Beitrag

Am Samstag, 14. Januar 2017 schrieb Heinrich Niklaus

Die Resonanz auf das Eröffnungskonzert war „gemischt“. Das Hamburger Abendblatt hatte eine Seite Leserbriefe veröffentlicht. Ein Leser schrieb: Das von Thomas Hengelbrock ausgesuchte Musik-Programm setzte mehrere Semester Musikwissenschaft voraus. Damit war das Musik-Programm(Teil 1) an der Zuhörerschaft vorbei konzipiert. Schade! Und das war nicht der einzige kritische Leserbeitrag. Die „Süddeutsche Zeitung“ mäkelte gar an dem Orchester herum. Außerdem begann das Konzert nicht mit dem Spiel einer Pan-Flöte, sondern durch Kalev Kuljus mit seiner Oboe. Benjamin Britten hat das Stück (Sechs Metamorphosen nach Ovid op. 49) auch für eine Solo-Oboe komponiert. Ich freue mich am 22. 01. 17 auf die Wiener Philharmoniker mit Brahms und Mahler (1.Sinfonie).

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