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Trotz Zensur sind Smartphones in China nicht wegzudenken

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China hat in der Welt die größte staatliche Zensur der Medien wie im Internet, Filme, Fernsehen und Zeitungen. Freien Journalismus gibt es nicht und viele Nachrichten aus dem Ausland, speziell aus den Ländern mit westlicher Demokratie sind schlichtweg nicht erhältlich. Vor kurzem hat die Firma Apple eine App, die den Internetzugang zur New York Times ermöglicht, vom chinesischen Markt genommen wahrscheinlich auf Druck der staatlichen Zensur. Trotz allem ist Apple in China in anderen Sparten wie Smartphones weiterhin stark vertreten. Sogar das Radio der deutschen Welle unterliegt in China der Zensur und ist verboten. Man könnte meinen, dass daher Chinesen rückständig wären, was Nachrichtenaustausch und Medien betrifft. Dieses ist jedoch weit gefehlt. China ist das Land der Smartphones. Es ist schwierig zu sagen, wie viele davon im Umlauf sind, da mancher Benutzer mehr als ein Smartphone besitzen. Die Zahlen sprechen für sich. Alleine letztes Jahr wurden 680 Millionen Smartphones im Betrieb gezählt, Tendenz steigend. Das sind etwa 60 % der Bevölkerung, die eins besitzen und so gut wie alle sind bei Weixin registriert, auf englisch: WeChat. Als absolutes Muss beschreibt Eva Yoo die mit Abstand einflussreichste App in China. "Interessant an WeChat ist, dass man keine Visitenkarten mehr braucht", sagt Eva, die für den Technik-Blog Technode schreibt. Ihr Spezialgebiet sind Apps. Über einen QR-Code lassen sich andere Nutzer scannen und hinzufügen. WeChat ersetzt so die klassische Visitenkarte und das Adressbuch des Telefons. WeChat verbindet außerdem die Funktionen von WhatsApp, Twitter und Facebook in einem. "Bei der Arbeit checke ich ständig mein WeChat," sagt die 36-jährige Fei Fei. Die Angestellte aus Shanghai bezeichnet sich selbst als WeChat-süchtig. "Mein Telefon nimmt jeden Zeit-Slot ein, den ich habe. Wenn nicht etwas wirklich Dringendes zu erledigen ist, ist meine Hand am Smartphone, auf der WeChat-App." Es ist nicht das Smartphone selbst, was das Leben der Chinesen seit den vergangenen Jahren revolutioniert hat, es ist eben diese eine App. Experten sprechen daher, dass Sie im Smartphone schon als ein eigenes Betriebssystem bezeichnet werden kann. Technik-Bloggerin Eva Yoo: "Anbieter, die bei WeChat aktiv sind, brauchen keine eigene App mehr - weil man ja schon in WeChat integriert ist und die Leute diese App ohnehin nicht verlassen." Telefonieren mit dem Smartphone tut sowieso fast keiner. Kommuniziert wird fast ausschließlich mit Text- und Sprachnachrichten. Dafür hat es eine Bezahlfunktion, was den Umgang mit Geld oder Karte überflüssig macht. Die Oberfläche des Smartphones wird zum Bezahlen einfach gescannt. Neben WeChat sind Foto-Apps besonders wichtig in China, sagt Bloggerin Eva Yoo: "Eine typische Asiatin hat mindestens zwei oder drei Kamera-Apps auf ihrem Smartphone. Es ist ihr sehr wichtig, immer ein Top-Profilbild zu haben und sie sorgt sich darum, was andere über ihr Aussehen denken. Das hat diese ganze Selfie-Kultur ausgelöst." Es ist für uns Europäer eher befremdlich, dass jederzeit mit dem Smartphone die Umgebung gescannt werden kann um in einem Umkreis von 100 bis 200 Metern neue WeChat User ausfindig zu machen. Dies nennt man die „Look around“ Funktion. Ob und in wieweit die Kommunikation von WeChat in China gefiltert und zensiert wird, dafür gibt es keine aussagekräftigen Erkenntnisse im Westen. Kritiker hatten den chinesischen Betreibern von WeChat vor einigen Monaten Zensur vorgeworfen. Amerikanische Investoren meinen: „ Zensur - das müsse man bei einem chinesischen Kommunikationsprodukt erwarten. Schließlich ist WeChat kostenlos.“ Quelle: ARD Studio Shanghai.

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